vom Dreiländereck nach Rodacherbrunn

Tag 1

Führungsturm WirdreiToilettenhäuschen KFZ-Sperrgraben

 

 

 

 

 

Wir beginnen unsere Wanderung in Thüringen, am Donnerstag den 12.09.2013 gegen 15.00 Uhr, in der Nähe Tiefenbrunns am ehemaligen DDR – Führungsturm. Auf der Straße in Richtung Mittelhammer findet man linker Hand gut den Plattenweg zum Dreiländereck Sachsen-Bayern-Tschechien. Noch mal fix die sanitären Einrichtungen genutzt, dann laufen wir auf dem Plattenweg entlang des alten KFZ- Sperrgrabens wieder Richtung Mittelhammer um auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Weg weiter zu verfolgen.

Der KFZ-Sperrgraben war als Teil der Grenzsperranlagen an der innerdeutschen Grenze um Fahrzeuge am Überqueren der Grenze zu hindern. Der Sperrgraben lag etwa 5 m auf der DDR- Seite des Grenzzauns. Dieser Graben war bis zu 1,5 m tief, und auf der Feindseite mit Betonplatten verstärkt, so dass diese Sperre für aus dem Osten kommende Fahrzeuge ein Hindernis darstellte.

 

Tafel-Pfarrhübel

 

 

 

 

 

Wir kommen an einer der schönen Informationstafeln vorbei, die entlang des Grünen Bandes aufgestellt sind. Darauf kann man nachlesen welche Tier- und Pflanzenarten in diesem Gebiet heimisch sind. Es beginnt zu regnen und da es bald dunkel wird suchen wir uns ein Nachtlager.

 

Tag 2

Gedenkstein Grenzkompanie Wiedersber P1030023 P1030020

 

 

 

 

 

Am Freitag marschieren wir weiter. Wir überqueren die Landstraße bei Gassenreuth. Am Gedenkstein für den Prof. Dr. phil. Eduard Johnson in der Nähe von Sachsgrün machen wir Rast und haben eine Aussicht auf die ehemalige Grenzkompanie Wiedersberg. In der Nähe lag ehemals die Ortschaft Troschenreuth die 1972 von den Grenztruppen der DDR zur Grenzsicherung komplett zerstört wurde. Nach ca. 700m führt uns der Weg einen Anstieg hinauf. Rechter Hand in der Senke befindet sich ein See und wir vermuten dort den geschleiften Ort und gehen auf Spurensuche. Tatsächlich entdecken wir noch einen alten Kellereingang zu und den dazugehörigen Schacht.

Der See ist heute als Vorbecken Troschenreuth, Teil des Talsperrensystems Dröda und war zu Zeiten der DDR ein Indikationsteich, da das Einzugsgebiet der Trinkwassertalsperre über den Freilebach zum Teil in Bayern liegt. Zu Zeiten des Kalten Krieges wurden an den Zuläufen aus Bayern Indikationsteiche angelegt. Diese waren mit Fischen besetzt, um etwaige chemische Verunreinigungen der Bäche, verursacht durch den Klassenfeind, anzuzeigen.

 

Bob hat die Schafe in der Nase mit dem Schäfer Grenzstein

 

 

 

 

 

Wir wissen, dass ein Schäfer das grüne Band Sachsens beweidet und hoffen ihn zu treffen. Tatsächlich, hinter der nächsten Wegbiegung entdecken wir die ersten Schafe. Wir haben ein sehr angeregtes Gespräch und erfahren einiges über die Geschichte des grünen Bandes in Sachsen. Der Schäfer kennt hier natürlich jeden Zentimeter Land und so kann er uns noch ein paar verborgene Relikte der Vergangenheit zeigen. Nach unserm regen Austausch ziehen wir weiter. Der Blick schweift noch einmal zurück in die Senke. Ja, das war ein sehr schönes Erlebnis.

Ein wesentlicher Baustein des Pflege- und Nutzungskonzeptes für das Grüne Band im sächsischen Vogtlandkreis ist die Hüteschafhaltung. Entfilzung und teilweise auch Reduzierung des Gehölzaufwuchses wurde erreicht. Die wichtigste Entwicklungsmaßnahme für das Grüne Band in Sachsen war die durchgeführte freiwillige Umwandlung von 35 Hektar Ackerfläche in extensives Grünland durch einen Schäfereibetrieb. Heute werden ca. 160 Hektar zumeist nicht mähfähiger Flächen im Zuge der Hüteschafhaltung gepflegt. Den ca. 700 Schafen sind Ziegen beigemischt, die besonders zum Gehölzverbiss beitragen.

 

Wildwiese P1020355 Kolonne an der Autobahn1

 

 

 

 

 

Bei Ullitz überqueren wir die B173 und wir kommen an wunderschönen Wildwiesen vorbei, die das Ergebnis der extensiven Nutzung durch die Beweidung sind. In der Nähe von Blosenberg wird der Kolonnenweg von der A72 unterbrochen. Wir laufen in Richtung Osten an der Autobahn entlang und hoffen in der Nähe eine Unterführung zu finden um auf die andere Seite zu gelangen. Unser Blick sucht vergeblich den B-Turm auf dem Blosenberg. Die Luft ist klar, die Sicht ist gut. Wir können ihn nicht entdecken und erfahren, dass er im September 2010 abgetragen wurde. Wir entdecken auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn mitten auf dem Feld einen Führungsturm. Zuvor stoßen wir auf einen Weg aus Heinersgrün der unter der A 72 hindurchführt. Auf der anderen Seite ist es etwas kniffelig den Kolonnenweg wieder zu finden da das Land bestellt ist. Am besten folgt man nun dem Weg parallel der A72 bis er eine scharfe Rechtskurve nimmt. Dort geht man links, am Feldrand Richtung Autobahn und dann direkt am Zaun entlang Richtung Wald. Dort ist die charakteristische Topografie des ehemaligen Grenzstreifens gut zu erkennen.

 

Tag 3

Heute müssen wir auf den Frühstückskaffee verzichten denn wir haben nur noch eine Tasse Wasser und die bleibt als Reserve für Bob. Also geht es ohne Frühstück los.

Nach einer Weile kommen wir an den Wüstlobenteich im NSG Pfarrwiese. Er wurde zur Grenzsicherung trocken gelegt, nach der Wende renaturiert und stellt heute ein wichtiges Brut- und Naturhabitat für Wasservögel dar. Nach ca. 500m beginnt das NSG Sachsenwiese. Es ist einfach traumhaft – die herrlichen Wildwiesen links und rechts des Weges sind eine Augenweide und es hat selbst jetzt im September noch so eine Pflanzenvielfalt, dass man einfach nur verweilen, schauen und genießen will.Nach ca. 3 km kreuzt die Bahnlinie Plauen- Hof den Kolonnenweg. Ab jetzt folgen wir den Schienen um einen Abstecher zum ehemaligen Grenzbahnhof Gutenfürst zu machen.

In der Zeit von 1946 – 1990 war der Bahnhof Gutenfürst ein wichtiger Grenzbahnhof und regelte den grenzüberschreitenden Verkehr von Personen, Gepäck, Gütern und Expressgut zwischen der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn.Hier mussten alle Züge anhalten und jeder Reisende wurde von den DDR-Zöllnern kontrolliert. Sogenannte Sandweichen hätten jeden Zug, der ohne Halt durch den Grenzbahnhof Gutenfürst gerauscht wäre, zum Entgleisen gebracht. Ohne Sondergenehmigung kam man nicht mal in die Nähe des Bahnhofs.

 

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Das kurz vor der Wende noch fertiggestellte Zollgebäude und einer der hohen Beleuchtungsmasten die einst die Grenzstation auch nachts taghell erleuchteten, stehen noch und zeugen von der einstigen Bedeutung des Bahnhofs. Beim Fahrdienstleiter können wir Wasser noch aufnehmen und erfahren nebenbei etwas zur Geschichte des Bahnhofs vor und nach der Wende. Wir gehen den Feldweg nach dem Bahnhof links hinauf in Richtung Wald, wurschteln uns hindurch und der Kolonnenweg liegt wieder vor uns.

 

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Am Zwei- Staaten-Stein (Sachsen- Bayern) gibt es eine Rasthütte mit Infotafeln und wir machen ausgiebig Pause. Gerade als wir starten wollen gegen 14.00Uhr fängt es an zu regnen. Also Regenklamotten raus und weiter auf den Weg zum Drei- Freistaaten- Stein.

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Der Drei-Freistaaten-Stein ist der Grenzstein, der das Dreiländereck der deutschen Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen markiert. Diese drei führen als einzige Bundesländer offiziell die Bezeichnung „Freistaat“. Dieser Punkt wurde durch Grenzkonvention des Königreichs Sachsen mit dem Königreich Bayern vom 13. August 1840 und mit dem Fürstentum Reuß jüngerer Linie vom 23. Oktober 1854 als Dreiländereck festgelegt, weshalb auf den Seiten des Steins die Kürzel dieser Staaten – KB, KS und FR – eingemeißelt sind. Seit Öffnung der innerdeutschen Grenze ist er wieder von allen Seiten frei zugänglich und wurde am 11. Mai 2007 als Kulturdenkmal eingeweiht. Der Stein wurde auf eine dreieckige Platte genau über dem Lauf des Kupferbachs gesetzt und ist auf einem Wanderweg erreichbar.

 

Hier endet der Kolonnenweg und wir vermuten das der ehemalige Verlauf auf dem Gelände entlangführt wo heute ein riesiges Windrad steht. Wir folgen dem Fortweg und überqueren dann ein Stoppelfeld da wir am Feldrand Häuser sehen. Wir erreichen Straßenreuth. Nachdem wir uns erkundigt haben brauchen wir nur der Straße durch die Ortschaft zu folgen, kommen nach einiger Zeit an eine Kreuzung, folgen rechts hinunter dem Mödlareuther Weg und sind an unserem nächsten Ziel.

 

 

 

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In Modlareuth erfahren wir auch, dass es hier im Grenzbereich schon zu DDR-Zeiten nicht den

typischen Kolonnenweg gab sondern eine Wiese die von der DDR bewirtschaftet wurde. Alles klar- so konnten wir den Weg natürlich nicht finden.

Mödlareuth- das geteiltes Dorf. 1966 errichteten DDR-Grenztruppen eine 700m lange, 3,40m hohe Betonmauer quer durch den Ort, die bis 1989 das Dorf teilte. Über 37 Jahre war es nicht möglich, die Grenze zu überschreiten, um von den einen in den anderen Ortsteil zu gelangen. Ost-Mödlareuth befand sich im 500m-Schutzstreifen, im sensibelsten Bereich der DDR-Grenzsicherung. Selbst Grüßen oder Winken über die Mauer hinweg von Ost nach West war verboten. Heute erinnern an diesem historischen Ort eine Gedenkstätte und ein Museum an die Geschichte der deutschen Teilung.

Nach dem Museumsbesuch und einem frischen Bier in der Gaststätte „Grenzgänger“ verlassen wir den Ort entlang des Restes der originalen Mauer. Leider fängt es wieder an zu regnen und wir suchen uns nachdem wir die B2 überquert haben abseits einen schönen Platz.

 

Tag 4

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Es regnet immer noch. Wir laufen durch das schöne Saaletal nach Hirschberg. Oben vom Schloßberg hat man einen schönen Blick über die Stadt. Im Hintergrund sehen wir das riesige Freigelände auf die einstige Lederfabrik stand. Heute zum Sonntag wollen wir mal ausgiebig zu Mittag essen. Inder Gaststätte „An der Lohmühle“ bekommen wir ein ausgezeichneten Entenbraten mit Klößen. Der Wirt ist super nett und Stadtgeschichtlich sehr bewandert. In der Gaststätte hängen viele alte Fotos aus allen Zeiten der ehemaligen Lederfabrik. Also wer mal in Hirschberg muss da unbedingt hin- es lohnt sich.

Aus einer kleinen Gerberei am Saale-Ufer entstand Ende des 19. Jahrhunderts eine der größten Sohlenlederfabriken Deutschlands und Europas. Vor dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Lederfabrik Heinrich Knoch AG 1500 Arbeiter und Angestellte. Die Hirschberger Lederfabrik verarbeitete jährlich rund 600000 Rindshäute zu Sohlenleder. Nach der Umstellung auf die Oberleder-Gerbung im Jahre 1965 wurden im Werk „VEB Lederfabrik“ bis 1989 etwa 30 verschiedene Lederarten und pro Jahr zwei Millionen Quadratmeter Leder für Schuhe und Bekleidung gegerbt. Zur DDR-Zeit waren etwa 900 Mitarbeiter beschäftigt. Weil sich die Werksanlagen direkt im Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze befanden, gab es von hier aus zahlreiche Fluchtversuche ins nahe Bayern. 1992 ging das Unternehmen in Konkurs, der Abriss folgte in den Jahren 1993 bis 1996. In den beiden historischen Verwaltungsgebäuden befindet sich heute das Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte.

 

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Gut gestärkt marschieren wir wieder los, am Kulturhaus, das am 21.12.1949 als erster Kulturhausneubau in der DDR eröffnet wurde und am Museum vorbei. Nach der Kläranlage beginnt wieder der Kolonnenweg. Unter der „Brücke der deutschen Einheit“ führt der Weg hinauf zu einem Aussichtspunkt  mit Blick über das Saaletal und auf das fränkischen Rudolphstein jenseits der A9. Danach ist der Weg zwar vorhanden, aber das erste Mal richtig zu gewachsen. Unten im Tal, direkt an der Saale liegt Sparnberg. Am Fluss beenden wir den heutigen Tag und machen es uns gemütlich.

Sparnberg lag unmittelbar an der Zonengrenze. Viele Häuser wurden abgerissen, die der Grenzsicherung im Wege waren, oder nach dem Tode der letzten Bewohner keine neuen Besitzer fanden, da junge Leute oft außerhalb des Sperrgebietes ihre neue Heimat suchten. Bis zur Wende war der Ort von Zäunen, Mauern und Stacheldraht umgeben.

 

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Letzte Nacht war sehr stürmig und es regnet immer noch. Nach einem Abstecher auf der Aussichtsplattform „Wachhügel“ in Pottiga wandern wir wieder an der Saale entlang, am Blankenberger Wehr vorbei, nach Blankenstein .Hier beginnt bzw. endet Deutschlands ältester und bekanntester Höhenwanderweg im Thüringer Wald. Der Rennsteig.

 

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Wir folgen der Landstraße parallel der Selbitz. An der Spitzkehre gehen wir einige Meter nach rechts und gleich wieder links in einen Waldweg. Dort verläuft parallel zum Kolonnenweg das romantische Moschwitztal. Der urig, wurzelige Weg wird nach ca. 3km von einer Landstraße unterbrochen. Wir gehen einige Meter rechts hinauf und sind wieder auf dem Kolonnenweg. Irgendwann werden die Bäume immer niedriger und wir müssen uns fast bücken um hindurch zu laufen. Hier gibt es keine Platten mehr und der Weg ist geschottert. Am Abzweig „Krötenmühle“ vorbei öffnet sich nach ein paar hundert Metern ein breites Tal. Hier fließt wieder die Moschwitz.

 

Tag 6

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Heute früh ist es sehr windig und kalt. Wir wandern an Feuchtwiesen und am Schwarzen Teich vorbei. Nun geht es mitunter steil auf und ab über Serpentinen ins Rodachtal. In der Nähe Titschendorfs gibt es etwas Besonderes: Eine liebevoll ausgestattete, offene Schutzhütte und gegenüberliegend im Felsen eine Selbstbedienungshöhle. Das finden wir klasse. Hier stehen Bier und Wasser für den durstigen Wanderer oder Radfahrer bereit. Man nimmt sich was man möchte und entrichtet die Bezahlung in eine Kasse des Vertrauens. Durstig sind wir zwar nicht, schließlich regnet es wieder und ins schwitzen kommt man heute auch nicht, aber wir freuen uns über ein leckeres Köstritzer Schwarzbier.

Also „Zum Wohl“ auf den Initiator dieser großartigen Einrichtung, der Heimatverein „Zwei Tannen e.V. Titschendorf“.

Während wir nun unser Bier trinken kommt ein Radfahrer des Weges und erzählt, dass es laut Wetterbericht die nächsten Tage weiterregnen soll. Da gerade wieder ein heftiger Guss niedergeht und wir schon den dritten Tag nasse Schuhe tragen, entscheiden wir diese Etappe hier zu beenden. Wir wandern an der Rodach entlang nach Rodacherbrunn und von da aus fahren wir nach Hause.

 

von Rodacherbrunn nach Heinersdorf ->